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Eine Sammlung ein Leben: Heinrich Lill


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Eine Sammlung - ein Leben: Heinrich Lill
Den Wiener Sammler Heinrich Lill hat neben der Liebe zur bildenden Kunst und Musik auch die Verbundenheit zum Stephansdom, dem unbestrittenen Wahrzeichen Österreichs, sein Leben lang begleitet.
Geboren 1918 in der österreichisch-ungarischen Monarchie in Troppau (Opava), dem heutigen Tschechien, lebte Heinrich Lill, der Altösterreicher gewissermaßen, von Kindesbeinen an bis zu seinem Tod 2004 in derselben Wohnung am Rochusmarkt im dritten Wiener Gemeindebezirk. Von seinem Fenster aus konnte er zeitlebens auf den Stephansdom blicken. Heinrich Lill, von Beruf renommierter Chirurg und Dozent an der Confraternität Wien, besuchte Messen im Dom sowie auch die dort angebotenen zahlreichen klassischen Konzerte. Dabei saß er immer auf demselben Platz.
Genauigkeit und Präzision, die eine Voraussetzung für seinen verantwortungsvollen Beruf darstellt, spiegelt sich in der Persönlichkeit von Heinrich Lill und natürlich auch in seiner enormen Kunstsammlung. Sie offenbart auch den Patrioten, den Alt-Österreicher: Sämtliche Objekte seiner Kollektion stammen von österreichischen Künstlern. Lediglich die außergewöhnliche, hochqualitative Kollektion an Armbanduhren, über deren jeweiliges Aufziehen ihr Besitzer Buch führte, sind Schweizer Fabrikate, etwa Patek Philippe oder Lange & Söhne. Lill lebte inmitten seiner Kunstgegenstände, die er immer wieder auch miteinander verglich, betrachtete. Und auch verlieh: Etwa sein Ölbild Richard Gerstls für die große Retrospektive im Wiener Kunstforum oder auch eine frühe Zeichnung von Maria Lassnig, welche ihm bescheinigte „ein sehr gutes Blatt“ von ihr zu besitzen.
Der Kunstliebhaber mit seinen mannigfaltigen Interessensgebieten hat sich eine umfassende Kunst-Bibliothek im Laufe seines langen Lebens zugelegt, die ebenfalls im Dorotheum versteigert werden wird. Er trug beim Betrachten seiner vielen Schätze immer weiße Baumwollhandschuhe. Damit fasste er wohl auch eine frühe Klimt-Zeichnung an, welche sein Vater, ebenfalls Arzt von Beruf, zu Beginn des vorigen Jahrhunderts um 20 Schilling von Georg Klimt erworben hatte. Damit begutachtete er die Ölbilder und zahlreichen graphischen Werke der bedeutendsten Vertreter der österreichischen Kunst des 19. und vor allem 20. Jahrhunderts, von Schiele über Boeckl und Kokoschka bis hin zu Lassnig und Rainer - wobei hier ein Schwerpunkt beim klassischen Akt liegt. Aus den Vitrinen hob er die vielen Stücke seiner Weltklasse-Sammlung an erlesenem Wiener Du Paquier-Porzellan, dessen Bedeutung er früh erkannte und schätzte. Mit diesen hervorragenden Beispielen früher Porzellankunst besaß Heinrich Lill eine der besten Sammlungen Österreichs. Er umgab sich generell mit schönen Dingen, etwa mit historischem Wiener Silber oder Barockmöbeln.
Seit den 60er Jahren wuchs die facettenreiche Sammlung des Chirurgen ständig an - manches Kunstwerk erhielt er auch als Tausch für eine Operation. Er zählte zu den Kunden bedeutender österreichischer Kunsthändler wie auch des Dorotheums. Das Dorotheum darf sich nun glücklich schätzen, Heinrich Lills letzten Willen mit zu erfüllen. Er spendete seine Kunstsammlung, welche nun im Dorotheum versteigert wird, dem 1987 gegründeten, politisch-weltanschaulich unabhängigen Verein "Rettet den Stephansdom“, welchen er bereits zu seinen Lebzeiten regelmäßig bedachte. Der von Rudolph dem Stifter gegründete Dom „gehört sich selbst“, sollte laut dem Gründer vor jedem Zugriff geschützt sein. Für den Erhalt des Stephansdomes waren immer schon Private (Stiftungen) vorgesehen gewesen.
In seinen Unterlagen haben sich, datiert mit 10. August 1995, folgende Worte Heinrich Lills gefunden: "Kunst und Antiquitäten sollen immer wieder Sammler erfreuen und nicht in Museumsdepots verstauben. Also will ich, dass meine Sammlungen, oder Teile davon, von den Erben (..) bewahrt, oder bei Bedarf jederzeit am freien Kunstmarkt angeboten werden." Seine Kunst soll wieder unter die Leute gebracht werden, viele Sammler erfreuen - und schlussendlich dem Verein „Rettet den Stephansdom“, also dem Steffl selber, zugute kommen. So ist es Heinrich Lill möglich, seine Kunst(sammlung) einem Kunstwerk, dem Stephansdom, gewissermaßen zurückzugeben. In seinem geliebten Stephansdom lebt die Sammlung Lill, lebt der Mensch Heinrich Lill weiter. Ein bemerkenswerter Weg zu einem Stückchen Unsterblichkeit.


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