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Sudan. KajoKeji. Lomin


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tarix25.06.2016
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Sudan.KajoKeji.Lomin

Ich bin nun schon einige Wochen wieder zurück aus Afrika und mein Herz trauert noch immer, wieder hier zu sein… Es war eine sehr beeindruckende Erfahrung für mich und ich bin nach wie vor viel am Nachdenken über meine Erlebnisse. Es war nicht nur eine Reise. Es war nicht nur ein Trip ins Unbekannte. Es war mehr. Viel mehr. Es hat Vieles bewegt bei mir und ich habe seither einige Veränderungen vorgenommen in meinem Leben. Manche Menschen verstehen meine Entscheidungen, Manche nicht.

Ich habe ernst zunehmende Heiratsangebote und Liebesbriefe bekommen. Ich war in der Diskothek. Ich habe Familien zu Hause besucht. Ich habe mich mit Menschen über sehr Privates unterhalten und lautstark diskutiert. Ich war in der Schule im Geografie Unterricht. Ich war im Kindergarten und habe mit den Kindern Borretsch gefrühstückt. Ich habe Dinge zu essen bekommen, die ich zuvor noch nie gesehen hatte. Ich war in der Kirche. Ich habe den Alltag verfolgt und miterlebt. Ich habe Tränen vergossen und viel gelacht. Ich habe informiert und übersetzt. Ich habe mir erklären lassen. Ich wurde nach Geld gefragt. Ich habe Nein gesagt zu utopischen Bitten. Ich habe Geschenke bekommen. Ich habe Telefonnummern und Emailadressen ausgetauscht. Ich habe erlebt was Malaria und Drogen zugleich anrichten können mit einem Menschen und ich weiß endlich was Entwicklungshilfe ist… Aber beginnen muss ich am Anfang:

Alles hat an einem Dienstagmorgen begonnen. Um 7 hieß es Abflug in Schwechat. Schon seit Wochen war ich mit nichts anderem beschäftigt als diese Reise zu planen und so gut es ging vorzubereiten. Ich schrieb To-Do-Listen von den To-Do-Listen um ja nichts zu vergessen und um den Fall der Fälle zu bedenken: Impfungen, Reiseversicherung, die richtige Kleidung… ich sage es ganz ehrlich, ich war fürchterlich nervös. Ich hatte schon Tage vorher Schmetterlinge im Bauch! Ich wusste ja nicht auf was ich mich einlasse. Nichts und niemand konnten mich richtig beruhigen, ganz im Gegenteil. Die Nachrichten berichteten nur von Rauswurf aller Hilfsorganisationen, meine Freunde und Bekannten legten mir das Außenministerium ans Herz und meine Mutter schlief schon seit Wochen schlecht.“Warum muss es denn der Sudan sein?“ musste ich mir anhören! Wie soll man sich da in Ruhe und vor allem mit Vorfreude auf solch ein Erlebnis vorbereiten? Aber ich hatte meine Entscheidung getroffen, zwar mit sehr viel Unruhe und nächtelangem Wachliegen, aber ich war mir sicher: Ich fliege in den Sudan.

Der Flug war sehr entspannt und der Empfang in Entebbe von Opoka und Erich sehr herzlich. Es sind sogar alle Koffer angekommen. Gott sei Dank, denn was hätte ich bloß ohne meine 5 Kilo Filmmaterial gemacht…? Ich erinnere mich, dass mir zuerst der Geruch aufgefallen war als wir aus dem Flugzeug ausgestiegen sind. Es war für mich ein Gemisch aus Seife, Sand und irgendwie auch Lebensfreude… das Abenteuer Afrika hatte also begonnen.

Den ersten Tag hatten wir in Kampala verbracht und dort die Möglichkeit unsere ersten Eindrücke zu sammeln. Alles war einfach nur spannend. Die Menschen, wie sie leben. Die Umgebung wie sie aussieht. Das bunte Treiben in der Stadt. Kampala ist mit den offiziellen 1,35 Millionen Einwohnern ein doch sehr stressiges Fleckchen Erde und nichts für schwache Nerven. Überall Autos, Taxis, Mopeds, Radfahrer, Busse und Fußgänger die völlig unkontrolliert ihren Weg machen. Für eine Mitteleuropäerin wie ich es bin, war das einfach nur ein wildes Chaos. Nach einigen Einkäufen am Artmarket und dem ersten kühlen Bier hatten wir den Rest des Tages in einem schön angelegten Park verbracht. Den Sonnenbrand gab es gratis dazu.

Der nächste Morgen begann für alle schon sehr früh. Um 3 Uhr hieß es aufstehen um die Reise in den Sudan anzutreten. Es standen uns einige Stunden Autofahrt bevor, die wir eingequetscht wie die Ölsardinen, im Land Rover verbrachten. Es war ziemlich eng zu 8 inklusive Gepäck und sitzen konnte ich schon nach 3 Stunden nicht mehr. Sobald die Sonne allerdings aufgegangen war wusste ich auch wofür das alles. Die unendliche Weite dieses Landes ergab mit der Morgenröte ein atemberaubendes Naturschauspiel. Ich kannte so was bisher nur aus einem Bildband mit dem Titel: Oh, Du schönes Afrika! Überall auf den Straßen waren Schulkinder in ihren Schuluniformen unterwegs und winken uns freudig zu. Sie lachten. Allerdings hatte ich bisher noch keine Schule gesehen…wie weit sie wohl gehen müssen? Zu Fuß und teilweise ohne Schuhe! Je älter der Tag wurde, desto mehr Kinder tummelten sich, die sich von Zeit zu Zeit nur noch durch die Farben ihrer Kleidung unterschieden.

Nach unserem ersten Nilbarsch und der Überfahrt mit der Fähre über den weißen Nil, dem üblichen Papierkram an der Grenze zum Sudan sind wir nach 14 Stunden Autofahrt zwar glücklich aber dennoch ziemlich erledigt in Lomin angekommen. Wieder begrüßten uns die Menschen mit einer Freundlichkeit, die ich nicht gewohnt war, einfach herzlich, offen und ehrlich. Zufrieden und völlig k.o. krabbelte ich an diesem Abend unter mein Moskitonetz in meinem Zimmer. Schlafen konnte ich an diesem Abend allerdings noch eine Weile nicht…

Jeder Tag dieses Aufenthalts brachte mir eine neue Erkenntnis über das Leben. So wohl in Meinem als auch über das Leben dort. Ich wusste nicht, dass Mangos eigentlich gelb werden und überhaupt, wie wächst eine Ananas? Das Schulsystem hat mich erschreckt und erstaunt zugleich. Schulstoff der letzten 30 Jahre treffen in einem Schuljahr aufeinander. Bücher sind absolute Mangelware und wenn es doch welche gab, waren sie teilweise älter als ich selbst. Der Kindergarten war mit den mehr als 300 Kindern besser organisiert als manches europäisches Kleinunternehmen und strahlte neben der strengen Disziplin dennoch so viel Liebe und Wärme aus. Bei jedem unangemeldeten Hausbesuch, den ich gemacht hatte, wurde mir meist eine Mahlzeit zubereitet oder angeboten und die Nachbarn kamen sofort vorbei um „Hallo“ zu sagen. Mal davon abgesehen, dass ich meine Nachbarn in Wien gar nicht kenne, ist „Wir essen jetzt“ ein Grund zu gehen, es sei denn man wurde offiziell zum Essen eingeladen.

Viele beneiden mich um meine Erfahrungen, die ich gemacht habe und würden sofort das gleiche tun, wenn da nicht diese furchterregende Tierwelt wäre… so sagen die meisten. Wir Europäer leben schon ziemlich naturfremd, oder? Haben wir doch alle als Kind einen Regenwurm im Garten ausgegraben und viele von uns doch auch verspeist. Natürlich hatte auch ich so meine Probleme mit den Tieren dort, das stimmt schon. Heuschrecken, Grillen, Würmer, Spinnen, Schlangen, Frösche, Käfer etc… und die machen einen ziemlichen „Lärm“ in der Nacht. Das Nachtkonzert vermisse ich dennoch, immer noch.

Ich habe viele Dinge aus Afrika mitgenommen um diesen Aufenthalt so lange wie möglich in Erinnerung zu behalten. Neben 3500 selbst geschossenen Bildern und 70 Seiten Erlebnisbericht habe ich Stoffe, Schmuck, Früchte sogar ein Marmeladeglas mit roten Steinen eingepackt. Dennoch gibt mir nichts davon so viel, wie das was ich im Herzen trage. Ich konnte nicht alles gut heißen, was ich erlebt habe und ich bin immer wieder in Situationen geraten, wo ich nicht wusste wie ich handeln oder es verstehen sollte… mein Leben ist aber mit dieser Erfahrung um so vieles wertvoller geworden.

Vielen Dank dafür, lieber Hannes!

Alles Liebe

Corinna


www.corinna-schmid.at


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