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Ludwig Büchner Kraft und Stoff


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Ludwig Büchner

Kraft und Stoff

Empirisch-naturphilosophische Studien.
In allgemein-verständlicher Darstellung



Inhalt




Ludwig Büchner 1

Kraft und Stoff 1

Empirisch-naturphilosophische Studien.
In allgemein-verständlicher Darstellung 1

Inhalt 1


Vorwort 3

Kraft und Stoff 4

Unsterblichkeit des Stoffs 5

Unendlichkeit des Stoffs 7

Würde des Stoffs 8

Die Unabänderlichkeit der Naturgesetze 9

Die Allgemeinheit der Naturgesetze 12

Der Himmel 13

Schöpfungsperioden der Erde 14

Urzeugung 16

Die Zweckmäßigkeit in der Natur 21

Der Mensch 24

Gehirn und Seele 26

Nachschrift 32

Der Gedanke 32

Mit dem Stoff schwindet der Gedanke! 33

Angeborene Ideen 33

Die Gottesidee 38

Persönliche Fortdauer 40

Die Lebenskraft 45

Die Tierseele 48

Der freie Wille 50

Schlußbetrachtungen 53

Fußnoten 56


»Für den Dialektiker ist die Welt ein Begriff, für den Schöngeist ein Bild, für den Schwärmer ein Traum, für den Forscher allein eine Wahrheit.«

Orges
»Es ist ein spezifisches Kennzeichen eines Philosophen, kein Professor der Philosophie zu sein. Die einfachsten Wahrheiten sind es gerade, auf die der Mensch immer erst am spätesten kommt.«

Ludwig Feuerbach



Vorwort


Now what I want, is - facts

Boz
Die folgenden Blätter machen keinen Anspruch darauf, ein erschöpfendes Ganze oder ein System zu sein; es sind zerstreute, wen auch untereinander mit Notwendigkeit zusammenhängende und sich gegenseitig ergänzende Gedanken und Anschauungen aus dem fast unendlichen Gebiete empirisch-naturphilosophischer Betrachtung - welche wegen des für einen Einzelnen nur schwer zu beherrschenden materiellen Umfangs naturwissenschaftlicher Gebiete eine milde Beurteilung von seiten der Fachgenossen für sich in Anspruch nehmen. Wenn die Blätter es wagen dürfen, sich selbst zum voraus ein Verdienst oder einen Charakter beizulegen, so mag sich derselbe in dem Entschlusse ausdrücken, vor den ebenso einfachen als unvermeidlichen Konsequenzen einer empirisch-philosophischen Naturbetrachtung nicht zimperlich sich zurückzuziehen, sondern die Wahrheit in allen ihren Teilen einzugestehen. Man kann einmal die Sachen nicht anders machen, als sie sind, und nichts erscheint uns verkehrter als die Bestrebungen angesehener Naturforscher, die Orthodoxie in die Naturwissenschaften einzuführen. Wir berühmen uns dabei nicht, etwas durchaus Neues, noch nicht Dagewesenes vorzutragen. Ähnliche oder verwandte Anschauungen sind zu allen Zeiten, ja zum Teil schon von den ältesten griechischen Philosophen, vorgetragen worden; aber die notwendige empirische Basis zu denselben konnte erst durch die Fortschritte der Naturwissenschaften in unsern Jahrhunderten geliefert werden. Daher sind auch diese Ansichten in ihrer heutigen Klarheit und Konsequenz wesentlich eine Eroberung der Neuzeit und abhängig von den neuen und großartigen Erwerbungen der empirischen Wissenschaften. Die Schulphilosophie freilich, wie immer auf hohem, wenn auch täglich mehr abmagerndem Rosse sitzend, glaubt derartige Anschauungen längst abgetan und mit den Aufschriften »Materialismus«, »Sensualismus«, »Determinismus« usw. in die Rumpelkammer des Vergessenen geschoben oder, wie sie sich vornehmer ausdrückt, »historisch gewürdigt« zu haben. Aber sie selbst sinkt von Tag zu Tag in der Achtung des Publikums und verliert in ihrer spekulativen Hohlheit an Boden gegenüber dem raschen Emporblühen der empirischen Wissenschaften, welche es mehr und mehr außer Zweifel setzen, daß das makrokosmische wie das mikrokosmische Dasein in allen Punkten seines Entstehens, Lebens und Vergehens nur mechanischen und in den Dingen selbst gelegenen Gesetzen gehorcht. Ausgehend von der Erkenntnis jenes unverrückbaren Verhältnisses zwischen Kraft und Stoff als unzerstörbaren Grundlage muß die empirisch-philosophische Naturbetrachtung zu Resultaten kommen, welche mit Entschiedenheit jede Art von Supranaturalismus und Idealismus aus der Erklärung des natürlichen Geschehens verbannen und sich dieses letztere als gänzlich unabhängig von dem Zutun irgendwelcher äußeren, außer den Dingen stehenden Gewalten vorstellen. Der endliche Sieg dieser realphilosophischen Erkenntnis über ihre Gegner kann nicht zweifelhaft sein. Die Kraft ihrer Beweise besteht in Tatsachen, nicht in unverständlichen Redensarten. Gegen Tatsachen aber läßt sich auf die Dauer nicht ankämpfen, nicht »wider den Stachel löcken.« - Daß unsere Auseinandersetzungen nichts mit den leeren Phantasien der älteren naturphilosophischen Schule zu tun haben, braucht wohl kaum angedeutet zu werden. Diese sonderbaren Versuche, die Welt aus dem Gedanken, statt aus der Beobachtung, zu konstruieren, sind dermaßen mißlungen und haben ihre Anhänger so sehr in den öffentlichen Mißkredit gebracht, daß das Wort »Naturphilosoph« gegenwärtig fast allgemein als ein wissenschaftliches Scheltwort gilt. Es versteht sich indessen von selbst, daß sich dieser unangenehme Begriff nur an eine bestimmte Richtung oder Schule, nicht aber an die natürliche Philosophie überhaupt anknüpfen kann, und gerade die Erkenntnis beginnt jetzt allgemein zu werden, daß die Naturwissenschaften die Basis jeder auf Exaktheit Anspruch machenden Philosophie abgeben müssen. »Natur und Erfahrung« ist das Losungswort der Zeit. - Das Mißlingen jener älteren naturphilosophischen Versuche kann zugleich als der deutlichste Beweis dafür dienen, daß die Welt nicht die Verwirklichung eines einheitlichen Schöpfergedankens, sondern ein Komplex von Dingen und Tatsachen ist den wir erkennen müssen, wie er ist, nicht wie wir ihn gerne möchten. - Wir werden uns bemühen, unsere Ansichten in allgemein-verständlicher Weise und gestützt auf bekannte oder leicht einzusehende Tatsachen vorzutragen und dabei jede Art philosophischer Kunstsprache zu vermeiden, welche die Philosophie, namentlich aber die deutsche, mit Recht bei Gelehrten und Nichtgelehrten in Mißkredit gebracht hat. Es liegt in der Natur der Philosophie, daß sie geistiges Gemeingut sei. Philosophische Ausführungen, welche nicht von jedem Gebildeten begriffen werden können, verdienen nach unserer Ansicht nicht die Druckerschwärze, man daran gewendet hat. Was klar gedacht ist, kann auch klar und ohne Umschweife gesagt werden. Die philosophischen Nebel, welche die Schriften der Gelehrten bedecken, scheinen mehr dazu bestimmt, Gedanken zu verbergen als zu enthüllen. Die Zeiten des gelehrten Maulheldentums, des philosophischen Charlatanismus oder der »geistigen Taschenspielerei«, wie sich Cotta sehr bezeichnend ausdrückt, sind vorüber oder müssen vorüber sein. Möge unsere deutsche Philosophie endlich einmal einsehen, daß Worte keine Taten sind, und daß man eine verständliche Sprache reden müsse, um verstanden zu werden!

An Gegnern wird es uns nicht fehlen. Wir werden nur diejenigen beachten, welche sich mit uns auf den Boden der Tatsachen, der Empirie begeben; die Herren Spekulativen mögen von ihren selbstgeschaffenen Standpunkten herab untereinander weiterkämpfen und sich nicht in dem Wahne beirren lassen, allein im Besitze der echten Philosophie zu sein. »Die Spekulation«, sagt Ludwig Feuerbach, »ist die betrunkene Philosophie; die Philosophie werde daher wieder nüchtern. Dann wird sie de Geiste sein, was das reine Quellwasser dem Leibe ist.«


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